Musik schafft Perspektive

Seit 2008 führt die Kammerakademie innovative und zeitgemäße kulturelle Bildungsprojekte an der Stadtteilschule Drewitz durch. 2013 wurde dort das Programm „Musik schafft Perspektive“ initiiert, das sich die langfristige und strukturbildende Zusammenarbeit zwischen einem professionellem Orchester, einer Grundschule und ihrem sozialen Umfeld im Spannungsfeld kultureller Bildung zum Ziel gesetzt hat. Hauptpartner des Programms ist die Potsdamer Grundschule „Am Priesterweg“, die gemeinsam mit dem Begegnungszentrum „oskar.“ die Stadtteilschule Drewitz bildet. Zusammen mit der Kammerakademie entsteht ein deutschlandweit bisher einzigartiger Zusammenschluss von Orchester, Schule und Begegnungszentrum: der Drewitzer Dreiklang. Mit zahlreichen Formaten wie musikalisch- künstlerischen Workshops, Mitmach-Konzerten, Probenbesuchen und Leuchtturmprojekten in Verbindung mit öffentlichen Aufführungen und Interventionen wird ein umfassendes Programm der kulturellen Bildung, Teilhabe und künstlerischen Partizipation für die SchülerInnen der Grundschule „Am Priesterweg“, die Kinder des Stadtteils Potsdam-Drewitz und ihr Umfeld umgesetzt. Hierbei arbeiten alle Partner auf konzeptioneller und organisatorischer Ebene eng zusammen und führen die sehr unterschiedlichen Strukturen von Bildungseinrichtung, Kulturinstitution und Sozialraum erfolgreich zusammen. Das kulturelle Bildungsprogramm ist eingebettet ins Projekt „Gartenstadt Drewitz“. Dieses städtebauliche Vorhaben zählt zu einem der wichtigsten Projekte der Stadterneuerung in Potsdam, welches sich die klimafreundliche und sozialverträgliche Umgestaltung des Stadtteils mit energetisch sanierten Gebäuden, einem attraktiven grünen Wohnumfeld nach dem Vorbild der Gartenstadt, klimafreundlicher Mobilität und einer hohen Wohnzufriedenheit und Identifikation der Bewohner zum Ziel gesetzt hat.

MUSIK SCHAFFT PERSPEKTIVE ALS KULTURELLE BILDUNGSLANDSCHAFT

In den vergangenen Jahren stand das Erschließen der Drewitzer Orte, der Bedeutungsräume und der dahinter liegenden Strukturen, Akteure und Bedürfnisse im Fokus des Programms „Musik schafft Perspektive“. Das aus diesem Prozess gewonnene Vertrauen von SchülerInnen, LehrerInnen, StadtteilbewohnerInnen und den zahlreichen Programmpartnern bildet den Grundstein für das weitere Vorgehen. Etablierte Angebote werden fortgesetzt und stetig weiterentwickelt. Erfolgreiche Dialog-Formate wie das Musiker-Lehrer-Tandem werden weitergeführt, um musische und kulturelle Bildung nachhaltig und systematisch in den Lehrplan zu integrieren. Gemeinsame Aufführungen und Leuchtturm-Projekte wie „Stadtteil macht OPER!“ werden intensiviert und gemeinsam gestaltet. Vor allem aber werden neue Beteiligungsmodelle entwickelt, wissenschaftlich begleitet und mit gemeinschaftlich organisierten Angeboten erprobt. Wesentlicher Gelingensfaktor für dieses Vorgehen ist das dichte Netzwerk aus Partnerinstitutionen und Unterstützern, das in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde. Wenn SchülerInnen mit dem Orchester, einer Kita und der lokalen Wohnungswirtschaft ein Musikprojekt realisieren, das vom Begegnungszentrum unterstützt und von der lokalen Wirtschaft mitgetragen wird, dann ist spürbar: nach fast zehnjährigem gemeinsamen Engagement ist aus einem Projektarrangement eine kulturelle Bildungslandschaft gewachsen, von der Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Stadtteil enorm profitieren. Bereits Kinder aus den Drewitzer Kitas werden von Musikangeboten der Kammerakademie erreicht, die dann später in der Stadtteilschule fortgesetzt werden können. Gemeinsame Aufführungen im Begegnungszentrum „oskar.“ sensibilisieren Eltern und Großeltern für die Lebenswelt der Kinder und laden gleichzeitig zu den Erwachsenenangeboten ein. Mit künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum bringen die Kinder Lebensfreude und sinnlich-emotionale Erlebnisse zu den BewohnerInnen, die nicht den Weg in die Stadtteilschule finden. Die durch städtebauliche Eingriffe verursachten Verlusterfahrungen der BewohnerInnen (die Umgestaltung der eigenen Wohnung, der Verlust des Parkplatzes, usw.) werden durch die Schaffung neuer Bedeutungsräume gemildert. Positive Erlebnisse wie der Besuch eines Kultur-Picknicks oder Open-Air-Konzerts vor der Haustür steigern die Wohnzufriedenheit und schaffen ein neues Selbstbewusstsein, das über Eltern und Erzieher den Weg in die Lebenswelt der Kinder findet. Dass die Idee einer engen Verzahnung von kultureller Bildung und Stadtentwicklung aufgeht, zeigt nicht nur die wachsende Nachfrage nach Musikangeboten. Es sind vor allem die jungen DrewitzerInnen, die sich spür- und messbar wohler fühlen in ihrer Lebenswelt. Durch das starke institutionelle Netzwerk kann das kulturelle Bildungsprogramm „Musik schafft Perspektive“ an verschiedensten Orten im Stadtteil als Plattform für Musikerlebnisse und eigenes kreatives Engagement genutzt werden. Es leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Bildung einer zufriedenen Stadtgesellschaft und unterstützt Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung einer starken und mündigen Persönlichkeit.

ZIELE

Chancengleichheit, Inklusion und soziale Teilhabe durch kulturelle Bildung sind die omnipräsenten Ziele des Programms „Musik schafft Perspektive“. Das Programm setzt sich für ein offenes und tolerantes Quartier ein, für einen Stadtteil, in dem sich BewohnerInnen wohlfühlen und ihr Lebensumfeld aktiv mitgestalten. Modellhaft möchte der Dreiklang aus Orchester, Grundschule und Begegnungszentrum Inklusion und Partizipation unterstützen. So wird neben einem nachhaltigen kulturellen Bildungsangebot die Entwicklung von übertragbaren Formaten ermöglicht. Es geht dabei nicht um Erfolgsgeschichten. Vielmehr möchten die Angebote des Dreiklangs Resonanzen erzeugen. Denn wer in Schwingung versetzt wird, bringt auch andere zum Schwingen, wer sich geschätzt und wahrgenommen fühlt, der übernimmt Verantwortung und setzt sich für die Gemeinschaft ein. In den letzten Jahren wurde Drewitz mit großen und kleinen Musikangeboten zum Klingen gebracht. Kinder, Eltern, LehrerInnen und StadtteilbewohnerInnen ließen sich berühren von den „Klangwellen“ der Kammerakademie. Im Gegenzug soll auch der Drewitzer Dreiklang noch stärker in Schwingung versetzt werden – durch die Kinder der Stadtteilschule sowie Personen und Institutionen ihres Lebensumfeldes. Mit dem Jahresprogramm „Perspektivwechsel“ wurde im Jahr 2016 ein weiterer Schritt hin zu dialogischer Angebotsentwicklung unternommen. Langfristiges Ziel ist es, die Anspruchsgruppen im Stadtteil in die Lage zu versetzen, selbstständig Bedürfnisse zu formulieren und gemeinsam mit den relevanten Akteuren im Stadtteil entsprechende Angebote zu entwickeln. Die Kammerakademie Potsdam unterstützt diesen Prozess mit systematisch entworfenen, nachhaltig angelegten Aktivitäten, die einen Rahmen für Erfahrungen, Austausch und Reflexion bieten.

ZIELGRUPPEN

Zu den aktiven Teilnehmern zählen:
alle 380 SchülerInnen der Grundschule „Am Priesterweg“ sowie das gesamte Lehrerkollegium mit ca. 40 Personen = ca. 420 Personen.
MusikerInnen der Kammerakademie Potsdam, Gastsolisten und Dirigenten, weitere Künstler unterschiedlicher Sparten = ca. 50 Personen
ca. 120 Kinder und ErzieherInnen aus 4 Drewitzer Kitas
ca. 40 Vertreter und Nutzer von sozialen und kulturellen Institutionen aus Drewitz

Daneben erreicht das Programm Eltern und Familienmitglieder der SchülerInnen, BewohnerInnen und Akteure des Stadtteils
= schätzungsweise 1200 Personen, je nach konkreter Ausgestaltung und Weiterentwicklung des Programms ggf. auch mehr

ORTE UND ANGEBOTE

Das Programm findet überwiegend im Gebäude und auf dem Gelände der Stadtteilschule Drewitz statt sowie in Kitas, dem Pflege- und Wohnheim „Haus Abendstern“, in Wohnungen und auf Balkonen in der Plattenbausiedlung, im Konrad-Wolf-Park und auf dem Ernst-Busch-Platz sowie in Räumlichkeiten der freien Kinder- und Jugendarbeit. Fortlaufend werden neue Räume erschlossen .

EVALUATION, DOKUMENTATION UND WISSENSTRANSFER
Veranstaltungen und Arbeitsergebnisse werden in Form von Fotos und Video-Trailern gesichert. Sämtliche Veranstaltungen werden mit Termin, Beteiligten und erreichten Personen festgehalten. Es wird angestrebt, jede Aktivität mit den Beteiligten zu evaluieren und die Ergebnisse schriftlich festzuhalten. Im Laufe des Kalenderjahres 2017 wird eine Methode zur kontinuierlichen Selbst-Evaluation erarbeitet, die ergänzend zur Begleitung durch eine/n WissenschaftlerIn angewendet werden kann. Weiterhin läuft aktuell die Pilotphase zu einer kontinuierlichen wissenschaftlichen Prozessbegleitung und -beratung. Lernerfahrungen und Forschungsergebnisse werden schriftlich festgehalten, professionell aufbereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Erfahrungen und Arbeitsergebnisse werden außerdem in einem stetig wachsenden “Community Music”-Netzwerk platziert und diskutiert. Austauschpartner sind z.B. die Fachhochschule Potsdam (B.A.-Studiengang Kulturarbeit), die Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam (Professur für Inklusionspädagogik), die Technische Universität Kaiserslautern (Professur für Stadtumbau und Ortserneuerung) und Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen (Stadtteiloper und internationale Hospitationsakademie “Partizipatives Musiktheater”). VertreterInnen des Programms tauschen sich regelmäßig in einschlägigen Fachforen und Arbeitskreisen aus (netzwerk junge ohren, Berliner Arbeitskreis Kinder- und Jugendmusik, Fachtage der Plattform Kulturelle Bildung Brandenburg, usw.).

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